Ratgeber
Wie ein ATS Ihren Lebenslauf liest und wo es scheitert
Ein ATS (Applicant Tracking System), auf Deutsch Bewerbermanagementsystem, ist die Software, in der Unternehmen Bewerbungen empfangen und sortieren. Im deutschsprachigen Raum sind unter anderem SAP SuccessFactors, Personio, softgarden, d.vinci und Workday verbreitet. Beim Eingang wandelt das System Ihre Datei in reinen Text um und versucht, jedes Stück einem Feld zuzuordnen: Kontaktdaten, Position, Arbeitgeber, Zeiträume, Abschlüsse, Kenntnisse. Recruiter arbeiten anschließend mit diesem Profil, meist über eine Stichwortsuche.
Genau hier gehen bei vielen Lebensläufen Informationen verloren. Zweispaltige Layouts können die Lesereihenfolge durcheinanderbringen. Text in Grafiken, Textfeldern oder der Kopfzeile wird teils ignoriert. Balken und Sternchen für Sprachkenntnisse sagen einer Maschine nichts. Ein eingescanntes PDF ist nur ein Bild ohne lesbaren Text. Auch kreative Überschriften wie "Mein Weg" erschweren die Zuordnung; "Berufserfahrung", "Ausbildung" und "Kenntnisse" sind die sichere Wahl.
Keywords: Was die Stellenanzeige wirklich verlangt
Ist der Lebenslauf eingelesen, filtern oder sortieren Recruiter häufig nach Stichworten. Dabei zählt der genaue Wortlaut: Steht in der Anzeige "Kreditorenbuchhaltung" und Sie haben nur "Rechnungsprüfung" geschrieben, findet die Suche Sie unter Umständen nicht. Übernehmen Sie die Begriffe der Anzeige, wenn sie Ihre Tätigkeit zutreffend beschreiben, und schreiben Sie Abkürzungen mindestens einmal aus (SEO und Suchmaschinenoptimierung, CRM und Kundenbeziehungsmanagement).
Bringen Sie Keywords in Ihren Stationen unter, nicht nur in einer Kenntnisliste. "Verantwortung für ein Marketingbudget von 200.000 € in Salesforce" wiegt mehr als ein einzelnes Wort. Verzichten Sie auf Keyword-Stuffing: Einen Begriff zehnmal zu wiederholen oder in weißer Schrift zu verstecken, täuscht niemanden, der den Lebenslauf danach liest.
Bedenken Sie außerdem: Einen allgemeingültigen "ATS-Score" gibt es nicht. Jedes System gewichtet anders, und am Ende entscheidet ein Mensch. Der Score von MIA CV ist ein Anhaltspunkt, um Ihren Lebenslauf mit einer bestimmten Stelle zu vergleichen, keine Zusage für ein Vorstellungsgespräch.
Lebenslauf-Konventionen in Deutschland
In Deutschland ist der tabellarische, umgekehrt chronologische Lebenslauf Standard. Ein Bewerbungsfoto ist seit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz freiwillig, aber nach wie vor verbreitet; für das ATS spielt es keine Rolle. Zwei Seiten gelten als üblich, Berufseinsteiger kommen oft mit einer aus. Zeiträume werden im Format MM/JJJJ angegeben, Lücken möglichst kurz erklärt. Arbeitszeugnisse und Zertifikate gehören in die Anlagen, nicht in den Lebenslauf selbst. Senden Sie ein PDF mit echtem Text, außer die Anzeige verlangt ausdrücklich ein Word-Dokument.